Die Kieler Nachrichten schreiben von einem „kräftigen Schluck aus der Pulle“: CDU, SPD und SSW haben am 4. Februar 2026 im Gettorfer Haupt- und Finanzausschuss entschieden, dass die Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Kommunalpolitiker rückwirkend zum 1. Januar 2026 um 75 Prozent erhöht werden. 75 Prozent Lohnerhöhung? Bei den Bürgerinnen und Bürgern dürfte diese Raffgier eher Schluckbeschwerden hervorrufen.
Wie kam es dazu? Die Landesregierung hatte 2025 entschieden, dass die Städte und Kommunen in Schleswig-Holstein die Entschädigungen für Kommunalpolitiker um bis zu 75 Prozent erhöhen dürfen. Unter anderem sollte damit das Ehrenamt attraktiver für den Nachwuchs gemacht werden. Den Kreistagen und Kommunen war allerdings freigestellt worden, wie sie diesen vorgegebenen Rahmen ausschöpfen werden. Der Kreistag Rendsburg-Eckernförde entschied Anfang Januar prompt, die Entschädigungen nur um fünf Prozent zu erhöhen. „Ich mache es doch nicht des Geldes wegen“, erklärte Kreistags-Präsidentin Sabine Mues (CDU).
Das sahen ihre Parteikolleginnen und Kollegen in Gettorf völlig anders und lehnten den differenzierten Antrag von uns Grünen, der noch weitere finanzielle Aspekte berücksichtigte und von der FDP voll und ganz unterstützt wurde, mit den Stimmen der SPD und des SSW ab. Wir hatten uns im Haupt- und Finanzausschuss für eine zehnprozentige Erhöhung stark gemacht, was in etwa der Inflation seit der letzten Erhöhung 2023 bis zur nächsten Kommunalwahl 2028 entspricht. Sollte die Gemeindevertretung am 11. Februar die denkwürdige Entscheidung von CDU, SPD und SSW bestätigen, würde diese den Gettorfer Etat jährlich mit knapp 100.000 € belasten. „Das ist völlig unangemessen. Wer wie CDU, SPD und SSW diese Selbstbedienungsmentalität mit dem Argument der Nachwuchsförderung durchsetzt, der fördert damit eher die Poltikverdrossenheit“, kommentierte Gemeindevertreter Gerhard Müller, der den Antrag für die Grünen im Haupt- und Finanzausschuss gestellt hatte, das Votum.